Wie kann man ein Pedelec besser auf Herz und Nieren testen, als wenn man es für drei Wochen rund um Campingplätze und für die Besichtigung von Burgen und Schlössern entlang der Loire nutzen kann. Ein Pedelec ist dabei ein idealer Begleiter, gerade wenn man seinen Aktionsradius entsprechend vergrößern will und im Sommer bei 30 Grad Celsius nicht völlig verschwitzt am Ziel ankommen mag.
Zu beide Pedelcs finden Sie hier einen Steckbrief
Wir hatten die Gelegenheit, dass Angenehme mit den Nützlichen zu verbinden. Mit dem Wohnmobil sollte es in den Sommermonaten quer durch Frankreich gehen – soviel stand schon fest. Und zwei Fahrräder sollten mit – zwei E-Bikes oder Pedelecs sollten es am besten sein. Die Winora Group erklärte sich bereit, uns bei diesem Vorhaben zu unterstützen und stellte uns für einen ausgiebigen Langzeittest zwei Pedelecs zur Verfügung, das Winora S2 cross und das Haibke eQ cross.
Winora S2 cross Haibike eQ cross im Test
Gesagt getan: Die Wahl fiel auf die beiden Modelle Winora S2 cross und Haibike eQ cross, beide Bikes haben wir zuvor jeweils in einem Steckbrief vorgestellt. Sie unterstützen elektrisch bis zu einer Geschwindigkeit von maximal 25 km/h. Wer schneller fahren will, muss selbst noch stärker in die Pedale treten, der E-Motor schaltet dann ab.
Rechte wie ein Fahrrad
Das hat den Vorteil, dass man kein Kennzeichen braucht und sämtliche Rechte eines Fahrradfahrers für sich in Anspruch nehmen kann. Das bedeutet, Fahren auf Fahrradwegen anstelle auf der Straße. In einigen Städten Fahren gegen die Einbahnstraße, denn die sind vielerorts in (so wie in z. B. in Frankfurt) freigegeben, Fahren durch Fußgängerzonen und auch in Sachen Promille Grenze, gelten hier die gleichen Werte wie für Fahrradfahrer auch.
1.000 Kilometer im Alltagstest
In den kommenden Wochen absolvierten wir auf beiden Rädern zusammen fast 1.000 Kilometer. Dabei ging es auf ebenen Fahrradwegen mit perfektem Straßenbelag ebenso flott vorwärts, wie bei der Fahrt bergauf durch das Gelände, mit den sonst so anstrengenden Steigungen auf Schotter- und Kieswegen
Die Testkandidaten im Detail: Winora S2 cross vs. Haibike eQ cross
Auf den ersten Blick fällt gleich auf, dass der Akku des Winora S2 cross wesentlich globiger wirkt, obwohl er platzsparend zur Hälfte im Rahmenrohr verschwindet. Der Akku des Haibike eQ cross sitzt in einer speziellen Halterung auf dem Rahmen. Beide E-Bike-Systeme arbeiten mit einer Spannung von 36 Volt und entsprechen der aktuellen Batterietechnik.
Betrachtet man die technischen Daten, sollte die Reichweite des Winora S2-Akkus mit 360 Wattstunden (Wh) größer sein, als die Reichweite des eQ cross von Haibike, das nur eine Kapazität von 288 Wh speichert. Doch Fehlanzeige: Im Testbetrieb zeigte sich das Haibike, als das Pedelec, mit dem längerem Durchhaltevermögen, soweit sich das direkt vergleichen lässt.
Denn das Gewicht des Fahrers, die Schaltfreudigkeit am Berg und das gewählte Unterstützungsprogramm haben einen enormen Einfluss auf die Gesamtreichweite des Akkus. Vorzeitig hatte uns während des gesamten Test keines der beiden Pedelecs wegen eines leeren Akkus im Stich gelassen und wir haben durchaus Strecken von bis zu 80 Kilometer am Stück zurückgelegt. Es gibt also keinen Grund, vor einem leeren Akku Angst zu haben.
Ein kleiner Wermutstropfen blieb dennoch bei der Akkutechnik des Haibike mit Boschsystem. Gerade morgens, wenn es draußen noch taufrisch war, machte das Haibike (genauer gesagt der Akku) gleich zweimal Schlapp.
Die Ursache dafür: Scheinbar drang etwas Wasser zwischen Kontakt und die Akkuhalterung ein, was die Elektronik des Bikes wohl dermaßen verwirrte, das sich der Akku aus Selbstschutz abschaltete. Nach kurzer Fehlersuche und dem Einsatz von Kontaktspray auf die untere Akkuhalterung bzw. die Kontakte, war das Problem auch schon wieder behoben und die geplante Tour konnte losgehen. Auf Nachfrage im Fahrradgeschäft dazu, versicherte man uns, dass man dieses Problem bei Bosch bereits kenne und es eine Werkstattaktion dazu gibt. Insofern soll uns dieses Problem beim Test nicht weiter stören.
Die Charakteristik der beiden Pedelecs
Beide Pedelecs könnten in der technischen Ausgestaltung der Antriebskomponenten kaum unterschiedlicher sein. Und das merkt man beim Fahren deutlich. Es geht primär um den Motor und die Sensorik, die erkennt, welche elektrische Unterstützung vom Fahrer gewünscht wird.
Während der Motor des Haibike sofort mitarbeitet und ganz geschmeidig beschleunigt, verzögert der Elektromotor des Winora S2 für etwa 1 Sekunde nach dem ersten Tritt in die Pedale. Dafür setzt der Motor dann aber umso heftiger ein und drückt das Pedelec mit einem fast schon zu starken Drehmoment nach vorne. Das gilt übrigens für das Aufhören beim Treten genauso.
Das Haibike beendet seine elektrische Unterstützung unverzüglich, sobald nicht mehr in die Pedale getreten wird, beim Winora S2 läuft der Motor etwa noch eine Sekunde nach. Das kann man zwar durch ein kurzes Ziehen am Bremshebel unterbinden, ist aber gerade beim Fahren auf einem Schotterweg einfach nicht so angenehm. Das es besser geht, zeigt das Haibike eQ cross.
Grund dafür ist die Bauart. Beim Haibike sitzen der Motor und die Sensorik direkt auf dem vorderen Kettenblatt bzw. im Tretlager. Beim Winora S2 ist der Motor in der Nabe des Hinterrades integriert und kann erst (re-)agieren, wenn die Pedalkraft über die Kette nach hinten übertragen wird. Ein klarer Nachteil.
Auch die Gewichtsverteilung ist beim Haibike dank Mittelmotor wesentlich besser. Es fühlt sich beim Fahren wie ein normales Fahrrad an. Es ist agiler und lässt sich sehr präzise zwischen Autos im Straßenverkehr bewegen. Beim Winora mit Nabenmotor in der Hinterradachse, hat man immer wieder das Gefühl, ein bisschen gegen den Willen des Winora eQ cross anzukämpfen. Außerdem wiegt das Winora S2 mit 22,9 Kilogramm rund zwei Kilogramm mehr als das Haibike eQ cross. Das sind in der Fahrradwelt, auch in der von E-Bikes und Pedelecs, ein mächtiger Unterschied.
Fazit: Test Winora S2 vs. Haibike eQ cross
Wer vor der Wahl steht, eines der beiden Pedelecs zu kaufen, dem kann man ganz klar das etwas teurere Haibike eQ cross empfehlen. Den günstigsten Preis im Web haben wir mit 2.279 Euro gefunden (Stand 08/2012). Damit ist es rund 300 Euro billiger als das Winora S2, mit einem Verkaufspreis von 2.297 Euro (Stand 08/2012). Doch dafür gibt es eine ziemlich ausgereifte E-Bike-Technik von Bosch und ein besseres Handling beim Fahren. Zwar streikte der Akku, wie schon oben erwähnt, zweimal während unserer Testfahrten, doch die Bosch Werkstattaktion wird dieses Problem beheben.
Infos Zur Winora Group
Beide Pedelecs stammen aus dem gleichen Mutterhaus, der Winora-Staiger GmbH, mit Sitz in Schweinfurt. Sie ist die Dachmarke verschiedener Fahrradmarken, dazu zählen Winora, Haibike, Staiger, XLC und der Großhandel für Fahrrad Accessoires namens Bike Parts.













